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| Der Korber Clemente Graff aus Wettingen. Ein Schweizer Fahrender bei der Ausübung seines traditionellen Handwerks. Foto zVg | |
«Die Kinder der Landstrasse kommen ins Stadthaus», stellte Venanz Nobel, ein
Sprecher der Jenischen, bei der Eröffnung der Ausstellung «Nomaden in der
Schweiz» fest. Dann fragte er: «Wie fremd ist ein Fremder, dem man nicht
ansieht, dass er fremd ist?» Man lässt es ihn jedoch spüren. Wenn er hausieren
gehen möchte, einen Marktstand ausstellen will oder einen Platz für seinen
Wohnwagen sucht.
Fahren, aber nicht halten
Die etwa 30 Durchgangs- und 30 Standplätze reichen für die mehr als 2000
Jenischen und Sinti, die vom Frühling bis zum Herbst unterwegs sind, kaum. «Wir
dürfen zwar fahren, aber nicht halten. Eigentlich leben wir in der Illegalität»,
witzelte bitter Robert Huber. Der Präsident der «Radgenossenschaft der
Landstrasse» ist jedoch nicht verbittert. Die jenische Dachorganisation vertritt
als einzige in Europa auch Sinti und Roma. Robert Huber erzählt im Zürcher
Stadthaus über die gravierenden Probleme dieser Minoritäten. Der Ruf nach einem
neuen Kanton für die etwa 35 000 Schweizer Jenischen und Sinti wird laut. Nach
einem Kanton Scharotl – dem Kanton Wohnwagen. Die Roma, die aus Ostmitteleuropa
einwandern, müssen ebenfalls integriert werden.
«Nomaden in der Schweiz» ist
ein romantischer Titel für die durchaus realistischen Fotografien von Urs
Walder. Seine differenzierten Porträts und Reportageaufnahmen dokumentieren den
Alltag hart arbeitender, jedoch fröhlicher Menschen. Urs Walder (geb. 1957)
begleitet die Jenischen, Sinti und Roma bei ihrer Berufstätigkeit und bei ihren
Festen seit fünfzehn Jahren. Er fotografiert sie, ohne mit der Sozialromantik zu
kokettieren.
Die Fotoausstellung wird mit historischen Dokumenten ergänzt,
welche die Verfolgungsgeschichte dieser Minderheiten belegen. Die
Alltagsgegenstände illustrieren deren traditionelle Kultur und ihr Handwerk wie
den Scharotl mit dem Karussellross.
Helena Kanyar
Stadthaus Zürich, bis 13. 9. 2002. Veranstalter: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz, Radgenossenschaft der Landstrasse und Zigeunerzentrum in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Basel. Begleitband: Urs Walder, «Nomaden in der Schweiz», Zürich, Andreas Züst, Verlag Scalo, 2000, Fr. 78.–.