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Szene

Nomaden in der Schweiz


Fredi Bosshard

«Nomaden in der Schweiz», Fotos von Urs Walder, in: Zürich, Stadthaus, Di, 28. Mai, 20 Uhr, Eröffnung. Mo–Fr, 8–18 Uhr. Ausstellung bis 13. September. Infos zum Rahmenprogramm: Tel. 01 216 31 23.
Urs Walder: «Nomaden in der Schweiz», mit Texten von Mariella Mehr, Venanz Nobel und Willi Wottreng. Andreas Züst Verlag bei Scalo. Zürich 1999. 160 Seiten, zahlreiche Abbildungen. 78 Franken.
Die Jenischen in der Schweiz bezeichnen sich gelegentlich als die «fünfte Sprachgruppe». Einige hundert von ihnen fahren immer noch durchs Land, obwohl im 20. Jahrhundert «Hilfswerke» wie Pro Juventute sie zwangsweise sesshaft machen wollten, Heiraten verboten und ihre Familien auseinander rissen. Sie wissen auch, dass über sie so manches Vorurteil besteht und wenig Wissen über ihre Arbeitswelt und Kultur. Der aus Wetzikon stammende Fotograf Urs Walder hat vor einigen Jahren eine fotografische Annäherung an die Jenischen gewagt, sie über ein Jahrzehnt begleitet und porträtiert. 1999 erschienen die Fotos in Buchform, und jetzt sind sie in einer Ausstellung im Zürcher Stadthaus zu sehen. «Ich rauche wie ein Bürstenbinder (…) Ja, ja, wir Bürstenbinder, wir Fecker, wir Vaganten, wir Zigeuner, so sind wir eben … Ihr Sesshaften habt es ja schon immer gewusst. Und sicher das ganze Alfabet bedeckt mit euren ‘Kosenamen’», schreibt Venanz Nobel in einem einführenden Text zum Buch. Er erzählt von Bildern seiner Vorfahren, die im Auftrag des Bundesrates Mitte des 19. Jahrhunderts als Kalotypien hergestellt wurden, die später als erste fotografische «Kriminalkartei» in die Geschichte eingingen und gleichzeitig frühe Dokumente sind, aus einer Zeit, als die Fotografie den privilegierten Kreisen vorbehalten war. «Sie scheuen sich vor der Kamera, die Zigeuner. Sie fürchten die Folgen des Fotografiertwerdens», meint Venanz Nobel etwas später und gibt wie viele andere am Ende doch die Einwilligung zum Bild – das spricht für das Einfühlungsvermögen des Fotografen, eine Qualität, die auch den Bildern anzusehen ist.

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