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Jenische: Chronologie einer verfolgten Minderheit

Schon das Wort «Zigeuner» ist eine Fremdbezeichnung, die die sesshaften Europäer den Einwanderern gaben. Der Ursprung des Begriffs ist unklar. In Süd- und Osteuropa nennt sich die Volksgruppe Roma. In ihrer Sprache bedeutet dies «Menschen». Sinti nennen sich jene Roma, die in Deutschland, Frankreich und Italien leben. Jenische nennen sich Fahrende und Sesshafte in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Österreich, die zum Teil heute noch Jenisch sprechen.

1906–1972
Die Schweizer Grenze ist für ausländische «Zigeuner» gesperrt. Die Fahrenden dürfen weder die Bahn noch Dampfschiffe benutzen.

1911–1990
Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement führt das Zigeunerregister. Darin werden die Daten aller in der Schweiz aufgegriffenen Fahrenden erkennungsdienstlich erfasst.

1926
Pro Juventute gründet das «Hilfswerk Kinder der Landstrasse», das von der Eidgenossenschaft subventioniert wird.

1930–1968
Jenische werden in psychiatrischen Gutachten und Studien als minderwertige Menschen diffamiert.

1930–1945
Schweizer Jenischen, die im Ausland leben, wird die Ausstellung oder Erneuerung ihres Passes verweigert.

1939–1945
Jenische, Roma und Sinti werden in der Schweiz nicht aufgenommen. Abgewiesene sterben teils in Konzentrationslagern.

1950
Bundesrat Edgar von Steiger redet in einem Brief von der «Zigeunerplage».

1972
Der Beobachter deckt die als Kinderhilfe getarnte Ausrottung der Jenischen auf.

1973
Nach heftigen Auseinandersetzungen muss die Stiftung Pro Juventute das Kinderhilfswerk schliessen.

1986
Das Parlament beschliesst, eine umfassende Untersuchung über das «Hilfswerk» durchzuführen.

1990
Bundesrat Flavio Cotti verspricht, die vom Parlament 1986 beschlossene Untersuchung nun durchzuführen. Zugleich stellt der Bund elf Millionen Franken für die Wiedergutmachung zur Verfügung.

1996/1997
Die mehrfach versprochene umfassende Untersuchung wird nicht durchgeführt.

1997
Der Beobachter berichtet als erste Zeitschrift in der Schweiz über die Auslieferung einer Jenischen und ihrer Familie ans Hitler-Regime in Deutschland.

1998
Die Studie von Meier/Leimgruber/Sablonier zum «Hilfswerk Kinder der Landstrasse» erscheint (siehe Literaturhinweis).

2000
Der Bergier-Bericht von Thomas Huonker wird nach diversen Kürzungen und Verschiebungen veröffentlicht.





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Thomas Huonker: «Wir müssen die Jenischen respektieren»