Wagenburg und Lagerfeuer
Von 50'000 Jenischen, Sinti und Roma sind in der Schweiz noch 5'000 als Fahrende unterwegs. Die Volksgruppe der Roma ist kaum mehr unterwegs. Seit dem Skandal um die "Kinder der Landstrasse", welche unter der Führung der Stiftung Pro Juventute zu Hunderten den Eltern weggenommen und an Heime oder Pflegeeltern übergeben wurden, ist es still geworden um diese Volksgruppe. "Wir sind Schweizer und doch ein eigenes Volk, das fünfte Volk im Land", erklärt David Burri, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Jenische, Sinti und Roma für die Expo.02.

Selbstbewusstes Volk
Ziel ist es, den Besuchern zu zeigen, wie lustig, oder eben schwierig das Zigeunerleben in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts ist. Ganz unromantisch sind für die Fahrenden die dauernden Auseinandersetzungen um Arbeitsgenehmigungen in den verschiedenen Kantonen, der Kampf um Durchgangs- und Winterplätze und die Schwierigkeiten bei der schulischen Ausbildung der Kinder. Dies dürften Themen an der Podiumsdiskussion in Murten sein, an der die Vertreter aller Volksgruppen der Fahrenden dabei sein werden, aber wahrscheinlich auch der Appenzeller Regierungsrat Werner Niederer als Mitglied der Stiftung "Zukunft Schweizer Fahrende" und Bundesrätin Ruth Dreyfuss. Walter Waser, Mitglied der Arbeitsgruppe für die Expo freut sich auf die Landesausstellung. "Wir möchten den Sesshaften die Werte der Kultur der Fahrenden näher bringen. Wir wollen vorwärts schauen, unsere Überlebenschancen sind gut. Wir sind selbstbewusst und lieben unsere Bräuche".
Zigeunergeschichten am Lagerfeuer
Am thematischen Wochenende im September wird auch gefestet. Strassenmusikanten beschallen die Gassen von Murten und mehrere Gruppen spielen Roadhouse, dem zentralen Veranstaltungsort auf. Ein ökumenischer Gottesdienst ist ebenso ein Anliegen der Fahrenden wie eine Ausstellung mit historischen Fotos. Eine Wagenburg und ein Lagerfeuer sollen die romantische Seite des Zigeunerlebens zeigen. Zudem verkaufen die Fahrenden typische Speisen ihrer Kultur. Für die Kinder steht ein spezieller Hort zur Verfügung. Dort erzählen Jenische Geschichten über die Fahrenden und veranstalten Zigeunerspiele.
Die Stadt Murten stellt den Fahrenden für die Dauer der Expo einen neuen Platz zur Verfügung, der - so Wasers Hoffnung - auch nach der Landesausstellung weiter genutzt werden kann.
Ein Wermutstropfen bleibt: Die Fahrenden nutzten bisher einen Teil des Expogeländes in Yverdons-les-Bains als Durchgangsplatz. Im Zeichen der Umbauarbeiten ist dieser Platz verloren gegangen. Nach Aussagen des Musikers und Fahrenden May Bittel, der in Murten auftreten wird, will Yverdons-les-Bains keinen Ersatz zur Verfügung stellen.