| Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz |
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BBG 176 Helena Kanyar Becker (Hrsg.) |
| Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz | |
| 2003. 185 Seiten mit 10 Abbildungen. Broschiert. | |
| Fr. 48.- / € 33.50 | |
| ISBN 3-7965-1973-3 |
Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft
Begründet 1938 von E. Bonjour, W. Kaegi und F. Staehelin
Weitergeführt von F. Graus, H. R. Guggisberg, H. Lüthy und M. Mattmüller
Herausgegeben von K. v. Greyerz, H. Haumann, G. Kreis, W. Meyer, J. Mooser,
A. v. Müller, C. Opitz, M. Schaffner und R. Wecker
Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz
In der Schweiz leben etwa 35000 Jenische und Sinti, entweder in einer
eigenen Kommunität oder als unsere unauffälligen Nachbarn. Etwa
2500 von ihnen sind noch als Fahrende vom Frühling bis zum Herbst
unterwegs. Ein Teil von ihnen ist noch in den traditionellen Berufen der
Jenischen wie Scherenschleifer, Schirmflicker, Korbflechter oder Marktfahrer
tätig; andere haben sich als Eisen-, Kleider-, Möbel- oder Teppichhändler
etabliert. Rund 30000 Roma-Flüchtlinge aus Südosteuropa werden
in einem langzeitigen Prozess in der Schweiz integriert.
Die Aufarbeitung des düsteren Kapitels der Hilfsaktion Kinder
der Landstrasse seit den siebziger Jahren hat die lange Geschichte
der Diskriminierung der Jenischen, Sinti und Roma ins Bewusstsein der
Schweizer Öffentlichkeit gerückt. Mehrere Beiträge des
Bandes befassen sich mit diesem Thema: Thomas Meier fasst den Stand der
wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Hilfsaktion von den
aufrüttelnden Artikeln im Schweizerischen Beobachter von 1973
bis zum im Jahr 2000 bewilligten Nationalen Forschungsprogramm zusammen.
Graziella Wenger schildert das erschütternde Schicksal eines Opfers
der Hilfsaktion, ihres Bruders Andreas, und illustriert den Fall
mit zahlreichen Dokumenten aus dem Schweizerischen Bundesarchiv. Neben
dem Blick zurück auf diesen Versuch, die Kultur der Fahrenden in
der Schweiz zu zerstören, befasst sich das Buch aber auch mit der
gegenwärtigen Situation der Jenischen, Sinti und Roma in Alltag und
Gesellschaft. So erklärt Venanz Nobel unter anderem, was Betonjenische
sind, und Cristina Kruck schildert die lebendigen Traditionen und Bräuche
der Roma. Die Jenischen haben sich heute in der Radgenossenschaft der
Landstrasse politisch organisiert und arbeiten im Rahmen der Stiftung
Zukunft für Schweizer Fahrende mit Vertretern der Behörden
von Bund, Kantonen und Gemeinden zusammen.
Ergänzt und illustriert werden die Beiträge mit Aufnahmen des
Fotografen Urs Walder, der Jenische, Sinti und Roma seit 1987 auf vielen
Reisen durch die Schweiz begleitet hat. Seine Fotoaufnahmen sind keine
Illustrationen eines romantisierten «lustigen Zigeunerlebens»,
sondern zeigen ungeschönt den harten Alltag, aber auch das vielseitige
kulturelle Leben der Fahrenden.
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