Hallo Leute,

ich bin ein Jenischer aus dem Elsass und möchte euch etwas über meine Kultur erzählen.
Ich möchte euch aufzeigen dass die jenischen als Volksgruppe schon Jahrhunderte vor den Sinti und Romas in Europa gelebt haben.
Ich werde auch alles hier Behauptete begründen durch Quellen Verzeichnisse und Sekundärliteratur ,sie sind sowohl Zeugen ihrer Zeit als auch ihres Zeitgeistes oder Ungeistes man wird auch feststellen das man es immer wieder versucht hat uns als Jenische zu verfolgen oder zu Diffamieren traurig stimmt mich auch das andere Minderheiten diesem Beispiel folgen.
Die Jenischen leben heute wie damals außerhalb des Bewusstseins der Sesshaften was ich auch gerade an dem Rechtschreibprogramm des Words erkenne, es nimmt Roma und Sinti als Wort an aber nicht das Wort Jenische.

GEGENWÄRTIGE SITUATION(Verbreitung und Gruppen der Jenischen)
Man sollte auch Unterscheiden zwischen Reisenden und Jenischen , die Reisenden in Frankreich (wo ich herkomme)als auch die in Deutschland sprechen eine Mischsprache aus Romanes und Jenisch während die reinen Jenischen wie man sie in dem Elsass der Schweiz in Teilen Süddeutschlands und Gegenden im heutigen Österreich antrifft ein rein gebliebenes Jenisch sprechen. Zudem sind die Kontakte dieser Kreisen zu Sinti und Roma sehr gering oder finden gar nicht statt. Eine bedeutende Gruppe fahrenden Volkes sind die Tinkers und Travelleres die in einer großen Gruppe in Irland ,Schottland und England leben ihre Sprache ist die urtümlichste und reinste Form der noch gesprochenen Keltischensprachen sie heißt Shelta man trifft sie aber heute überall in der Welt an, hauptsachlich in den angelsächsischen Staaten man schätzt allein die ursprünglich irischen Travellers auf weltweit 100.000 Personen.
eine Wortliste findet ihr unter Shelta-Sprache
Was auffällt ist das in den urkeltischen Siedlungsgebieten in Europa es auch immer eine starke wandernde oder halbsesshafte Population von Jenischen gibt,
als da wären Helvetien ,Galizien(Gallier),Elsass, Portugal (Hafen der Gallier)man darf anhand der existent der Tinkers und ihrer Sprache (Shelta) mit Fug und Recht behaupten das sie die letzten selbstständigen Zeugen der vergangenen Grossen Kultur der Kelten im heutigen Europa sind. Es gibt in Frankreich viele kleinere oder größere Gruppen die sich Voyager nennen aber nur noch Französisch sprechen.Die Tinker sprechen aber eine andere Sprache wie die Jenischen.

HERKUNFT
Die Jenischen sind nach der Auffassung Luthers eine Spliter und Mischgruppe der sich nicht sesshaft machenden Juden ihrer Zeit.Dafür spricht das die meisten Jenischen Worte Hebräischen Ursprungs sind als da wären

schaften German sind [are] Hebrew schebet (to be)
schofel German schlecht [bad] Hebrew schofel (base, low)
holchen German gehen [go, walk] Hebrew halach
Sochter German Krämer [shopkeeper] Hebrew socher (dealer, trader, etc.)
Sore German Ware [product, article] Hebrew sechora (trading)
Kis German Geld [money] Hebrew Kis (purse)
[14] Rand German Tasche [bag, pocket] German word
[der Rand = edge, rim, border]
Fehling German Arznei [medicine, drug] German word
Mertine German Land [land, country] Hebrew medina (province)
achlen German essen [eat] Hebrew akal (eat)
schwächen German zechen [carouse, booze] Hebrew schakar (carouse)
tob German gut [good] Hebrew tob (good)
nicklen German tanzen [dance] Hebrew niggen (make music)
Bais German Kneipe [tavern, pub] Hebrew Bet, Bait (house)

Das stimmt so nur zur Hälfte sie gruppiert sich auch aus den Menschen die durch die aufkommenden Zünfte eingeschränkt wurden in ihre Gewerbefreiheit. Und nun über Land ziehend ihre Gewerbe verrichten mussten oder aber die Gewerbe betrieben die ihnen erlaubt waren (Kesselflicker, Scherenschleifer ).Man kann schwerlich in diesem Zusammenhang von nur einer Gruppe reden oder einer Entwicklung ,man sollte aber sehr wohl von einer Hauptströmung ausgehen ,weil nur sie dem Verständnis der Herkunft der Jenischen gerecht werden kann .Da die Jenischen immer schon einen homogen Volksgruppe waren und sind .Zudem man sie ja auch in allen westeuropäischen Ländern antrifft .Fahrende Leute gab es aber zu allen Zeiten und in vielen Kulturen unsere, abendländisch bildet da keine Ausnahme, wissen schon römische und griechische Chronisten vom liederlichen Lebenswandel der Fahrenden Sänger ,Handwerkern ,Wahrsager und Bettler zu berichten. Wer weiß vielleicht sind ja auch unserem Roma und Sinti die Opfer eines Zivilisierungsprozesses durch das aufkommende Kastenwesen und waren nicht mehr willens noch fähig sich in die neuen Gesellschaftsstrukturen an- und einzupassen .Der Schlüssel zur ihre Herkunft wären dann auch ein soziologischer und kein ethnischer .Ist doch ihre Sprache auch nicht eigenständig sondern auf dem lautlichen Stand der indischen Idiome dieser Zeit .Es finden sich auch viele Persische und griechische Lehnwörter in ihrer Mundart .Es gibt zwar urtümliche und eigentümliche Sprachen, Rassen und Völker aber keine Reinen da alles kulturelle Gegebene Prozess orientiert und bedingt ist. Nichts ist in sich abgeschlossen und konstant alles ist im Fluss und beeinflusst.
Das nun die Jenische dem Beispiel der Roma gefolgt sind und oder sich aus ihnen entwickelt haben durch Vermischung oder unter ihrem Einfluss standen ist mit einer Antwort zu verneinen. Es gab sie bewiesenermaßen Jahrhundert bevor die ersten wandernden Söhne und Töchter Indiens Die Gefilde Europas betraten.

ZUKUNFT
Es ist nicht an mir oder mein Ansinnen euch meine Sprache darzulegen oder sie zum Gegenstand irgend einer wissenschaftlichen Betrachtung zu machen da sind mir die Unternehmungen seitens der Forschung an den Sinti und Romas Warnung genug .Ich habe nur öffentlich zugängliche Quellen zitiert die vergleichend aufzeigen das unsere Sprache eine eigenständige ist ,zudem ist das Material sehr begrenzt ,ich könnte euch hier eine Liste von tausend Wörter aufstellen und ihr Herkunft aufzeigen aber ich kann auch mit 20 Wörter beweisen das wir uns einer anderen Sprache bedienen als des Romanes einer Mischung derselben oder des Rotwelschen, Die von sesshaften Linguisten verfassten Listen des Rotwelschen werfen sowieso alles in einen Topf unabhängig von dem, wo wann wer was wie gesagt hat und so mischen sie Wein mit Bier das ist dann schon ein Kauderwelsch oder eben Rotwelsch, .Aber ich wollte ein Beispiel setzen gegen die Überheblichkeit gewisser Sesshafter oder auch Romas für die nur etwas existiert was innerhalb einer formalen Bildungrahmens thematisiert wird. Würden sie aber ihrem eigenem Anspruch gerecht, wären sie sorgfältiger Vorgegangen und hätten ein wenig erschöpfender und verbindlicher Dokumentiert. So haben sie aber nicht nur Pseudowissenschaftliche Erkenntnisse in ihrem Kopf sondern auch deren Denkmuster.
Es sollte auch noch ein Paar Geheimnisse geben auf dieser Welt und wenn ich sehe wie in Osteuropa die Romasprache an Schulen gelehrt wir unter dem Vorwand man wolle ihre Kultur fördern und erhalten dann kann ich nur sagen Muttermilch ist besser als Schulmilch .Mit unser Muttermilch ziehen wir uns die Sprache rein. Der Dreh und Angelpunkt jeglicher Kulturellen Förderung und Erhaltung kann nur die Familie sein alles institutionalisierte ist der Roma oder Jenischen Kultur fremd Wir sind organische Menschen. Wir müssen unsere Ziele mit unserer Art und Weise erreichen sonst werden wir zwar als Hardware weiter leben als Software werden wir aber unsere Rechte an den verkaufen müssen der sein System allen aufdrängt. Unser Wissen ist gewachsen und Kollektiv und nicht verordnet oder strukturiert .Wir sollten die Glut erhalten und nicht versuchen die Asche noch mal zum Leben zu erwecken .Jeder Jenische weiß doch dass Asche nicht mehr brennt.

Als Beweiß dafür möchte ich drei Bücher zitieren die unseren Lebenswandel und unsere Sprache wie wir sie heute noch pflegen Dokumentieren, für die Zeit des 15. Jahrhunderts.

1.Sebastanian Brant "Das Narrenschiff" von 1494
in diesem Buch schildert er unter dem Kapitel "von den Bettlern"
das Leben der wandernden Bettler die mit Frau ,Kind und Wagen durch die Lande
ziehen und ihre eigene Sprache haben .Er führt dabei eine Liste von zehn Wörtern an, das sich genau mit dem Jenischen Vokabular der heutigen Jenischen deckt und nicht etwa mit dem Romanes wie man gerne annehmen würde.Das Narrenschiff war das am weitesten verbreitet und publizierte Volksbuch bis in die Neuzeit.
Holchen-laufen etc. Brandt

2.Martin Luther "Liber Vagatorum" Untertitel "von der falschen Bettler Büberei"
Erschienen im Jahre 1528 auch die hier aufgeführten Worte sind größten Teils
identisch mit unserem heutigem Jenisch,.In diesem Buch beweißt Luther das 80 Prozent der jenischen Sprache hebräischen Ursprungs sind und nicht etwa jiddischem(Mischsprache aus Deutsch und Hebräisch).Da zum Zeitpunkt als es das Jenische als Sprache schon gab , das West und- Ostjiddischen noch nicht etabliert waren.
Wortliste und Buch könnt ihr hier nachlesen:
liber+vagatorum

3.Der Bettler Orden von Thomas Anshelm von 1509
Das erste gedruckte deutsche Fahndungsbuch (Gaunerbuch) ist der vermutlich von dem Spitalmeister des Pforzheimer Heilig-Geist-Spitals Matthias Hütlin verfasste anonym und ohne Druckvermerk um 1509/1511 erschienene "Liber vagatorum. Der Bettler Orden", als dessen Drucker Thomas Anshelm in Pforzheim festgestellt wurde.
Außer der Beschreibung von 28 Bettler- und Gaunertypen sowie praktischer betrügerischer Vorkommnisse enthält das Buch mit seinem "Vocabularius" das erste gedruckte (219 Wörter umfassende) Lexikon des Rotwelschen, der deutschen Bettler- und Gaunersprache. (Von dem Liber vagatorum gab es im 16. Jh. um die 30 verschiedenen Drucke, darunter eine niederdeutsche Ausgabe [um 1510] und eine von Martin Luther u.d.T. "Von der falschen B ettler Büberei" [1528 ].)
Gaunerbuch

4. Williams Shakespeare "Die widerspenstige Zähmung" von 1594
The Taming of the Shrew by William Shakespeare

Da beschreibt er unter anderem das Leben des Kesselflickers
Christoph Schlau(Sly im original) mit den Worten:

SLY says
What, would you make me mad? Am not I Christopher
Sly, old Sly's son of Burtonheath, by birth a
pedlar, by education a cardmaker, by transmutation a
bear-herd, and now by present profession a tinker?
Ask Marian Hacket, the fat ale-wife of Wincot, if
she know me not: if she say I am not fourteen pence
on the score for sheer ale, score me up for the
lyingest knave in Christendom. What! I am not
bestraught: here's

Nachzulesen auf:
online-literature: Shakespeare/

weitere Bücher die über Jenische berichten sind
Hermann Kurz "Der Sonnenwirt"1855 siehe 29.kapitel
Gutenberg: Der Sonnenwirt

Lena Christ: Mathias Bichler / Auf der Landstraße / 1
Gutenberg: Auf der Landstrasse

les crie de paris 1952
von den Marktschreiern und fahrenden Handwerker der großen europäischen Städte
über acht Jahrhunderte

gepostet von Jangy im Forum http://www.trujal-i-jag.elsw.de am 4.11.2002

mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers

"ich will nach oben!"

"Woher die Jenischen kommen"

"Reden die Jenischen Rotwelsch"

"über die Jenischen"

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