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Ausgabe vom Mittwoch, 29. Mai 2002

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Ausstellung im Stadthaus

Die Mühen der Zigeuner mit den Behörden

Die Ausstellung «Nomaden in der Schweiz» im Stadthaus ist den Jenischen, Sinti und Roma gewidmet.

sda. Mit Lügen und Legenden haben die Jenischen, Sinti und Roma der Schweiz längst leben gelernt. Mit einer Ausstellung im Zürcher Stadthaus versuchen sie trotzdem, damit aufzuräumen. Und hoffen, ihren politischen Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen.

Fahrende oft benachteiligt
«Ziemlich einmalig» findet Robert Huber, Präsident der Radgenossenschaft der Landstrasse, die gestern eröffnete Ausstellung im Stadthaus. Vor allem sei einmalig, dass sie, die «Nomaden der Schweiz», dort Gastrecht hätten. Dies widerspreche nämlich ihren gängigen Erfahrungen. Ein ständiger Kampf mit den Behörden gehöre leider noch immer zum Alltag. «Nicht die Bevölkerung ist gegen die Zigeuner, sondern die Behörden», bedauert er. Anders könne man die umständlichen Papier-Beschaffungen gar nicht interpretieren.
Die teuren Hausier- und Werbepatente müssten jeweils kantonal eingeholt werden, was für Fahrende einem faktischen Arbeitsverbot gleichkomme. Das landesweit gültige Patent gebe es immer noch nicht, sie seien jetzt auf das Jahr 2003 vertröstet worden. Dabei sei es ohnehin paradox, dass es für den Verkauf von Schweizer Produkten ein Patent brauche.

Rechtsweg beschreiten
Noch mühsamer ist laut Huber, dass die Fahrenden keine zugesicherten Durchgangs- und Standplätze haben. Die Hälfte der knapp 5000 Fahrenden unter den rund 35 000 Schweizer Jenischen lebe auf Goodwill der Bevölkerung auf den verschiedenen Plätzen.
«Wir wollen ein Netz von Plätzen, wie es mit den Campingplätzen auch eines für die Hobby-Weekend-Zigeuner gibt», fordert Huber. Erreichen wollen die Fahrenden dies über den Rechtsweg. Den Jungen unter ihnen sei die Geduld nämlich ausgegangen.
Im Juni wollen sie gegen diverse Wegweisungsverfügungen im Kanton Aargau rekurrieren und bis vor Bundesgericht gehen. «Es braucht einen Bundesgerichtsentscheid, anders werden wir unsere Forderungen nie durchsetzen können», ist Huber überzeugt. Ähnlich vorgehen wolle man später in Sachen Raumplanung: «Dort werden wir im Gegensatz zu Schaustellern auch nie mit einbezogen.»

Nicht nur jammern
Von solchen Mühen im Alltag zeugen auch die im Stadthaus ausgestellten Bilder. Aber nicht nur: Der Zürcher Fotograf Urs Walder, der die Fahrenden seit 1987 begleitet, bildet nicht nur Konflikte ab, sondern gewährt auch Einblicke in Feste, Gewerbe, Familie, Kultur, Reisen, Traditionen und in die vorwiegend katholische Religion der Fahrenden.
Dies, ohne ein klischiertes und romantisierend-idyllisches Bild der Jenischen zu vermitteln. Laut Ausstellungsmacher Willi Wottreng ist damit ein Standpunktwechsel verbunden, dank dem die «Nichtfahrenden» ihre eigenen Normen besser erkennen, aber auch hinterfragen können.
Die Stadt ist ihrerseits daran interessiert, kontroverse gesellschaftspolitische Themen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, wie Jean-Pierre Hoby vom Präsidialdepartement sagte. Ein Publikum, das nicht der Jenischen wegen ins Stadthaus geht, sondern aus amtlichen Gründen.




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