schäft qwant
Dokumente betreffend die
"Bekämpfung der Zigeunerplage"
im Nationalsozialismus


Ernst Lossa, ein jenischer Junge als Opfer der nationalsozialistischen Psychiatrie

Seit Jahren wird in Deutschland um die Erstellung eines Mahnmals für die Holocaust-Opfer der "Sinti und Roma oder der "als Zigeuner Verfolgten" gerungen. Dass dabei die Jenischen kaum je Erwähnung fanden, ist symptomatisch für den Umgang mit dieser Volksgruppe im Nachkriegs-Deutschland. Obwohl im "Dritten Reich" die gleichgeschaltete Wissenschaft in ihrem Wirken explizit auch auf die Jenischen fokussierte, gerieten die Jenischen im Zuge der Wiedergutmachungen in Vergessenheit. Die jüngere Wissenschaft betrachtet in Deutschland, im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Entwicklungen in der Schweiz, die Jenischen in der Regel nur aus lokalhistorischen, volkskundlichen oder "sondersprachlichen" Blickwinkeln. Historische Arbeiten zu den Themen Zweiter Weltkrieg, Nazi-Deutschland, Holocaust erwähnen die Jenischen meist nur als Teil der "Asozialen".

Diese Entwicklung hat ihre Ursprünge in folgenden Punkten:

Um ein allen "als Zigeuner" verfolgten Gruppen gerecht werdendes Mahnmal errichten zu können, ist die deutsche Politik aufgerufen,
  1. Historisch-wissenschaftliche Aufarbeitungen der Verfolgungen im Dritten Reich zu fördern, die sämtliche "als Zigeuner" verfolgten Gruppen miteinbezieht und nicht nur auf die durch die Presse in den Fokus der Interessen geratenen "Sinti und Roma" gerichtet ist.
  2. Historisch-wissenschaftliche Aufarbeitungen der Geschichte der Jenischen in Deutschland vor, während und nach dem "Dritten Reich" zu fördern.
  3. Insbesondere soll auch untersucht werden, ob und wie Kontinuitäten in der Diskriminierung der Jenischen nach 1945 bestehen, ob und wie die Jenischen an den Entschädigungen für die Opfer des 2. Weltkriegs teilhaben konnten und wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Jenischen seit 1945 in wissenschaftlichen Publikationen und den Massenmedien verändert hat.
  4. Der Holocaust an den Jenischen als eigenständige Gruppe, die von den Behörden des "Dritten Reichs" als "Zigeuner, Zigeuner-Mischlinge und nach Zigeunerart umherziehende Personen" verfolgt wurde, ist gleichberechtigt mit den andern "als Zigeuner" verfolgten Gruppen zu anerkennen.
  5. Daraus ableitend liegt es in der Verantwortung der Politik, diskriminierungsfreie Bezeichnungen für alle "als Zigeuner" verfolgten Gruppen zu definieren, die die Würde der Gruppen, ihrer Angehörigen und Opfer respektiert.

schäft qwant dokumentiert im Folgenden diverse Fundstücke, die der interessierten Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft als "Einstiegshilfe" in die Thematik dienen können.

Dass die Jenischen im Dritten Reich dasselbe Schicksal wie die "Sinti und Roma" erlitten, illustriert folgendes Zitat, das eine durchgehend vorkommende Kern-Formulierung entwirft:
Ich ordne deshalb an, daß alle seßhaften und nicht seßhaften Zigeuner sowie alle nach Zigeunerart umherziehende Personen beim Reichskriminalpolizeiamt - Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens - zu erfassen sind.
(aus: "Bekämpfung der Zigeunerplage, 8.12.1938")

Aus der Dissertation "Die Zigeuner im Nationalsozialistischen Staat", verfasst von Hans-Joachim Döring, 1962 werden folgende Erlasse und Schriften des Nationalsozialismus zitiert:
  1. Bekämpfung der Zigeunerplage, RdErl. d. RFSSuChdDtPol. im RMdI. vom 8.12.1938
  2. Ausführungsanweisung des Reichskriminalamtes vom 1.3.1939 zum RdErl. des RFSSuChdDtPol - im RMdI vom 8.12.1938
  3. Schnellbrief an die Kriminalpolizei(leit)stellen vom 27.4.1940
  4. Richtlinien für die Umsiedlung von Zigeunern vom 27.4.1940
  5. Betrifft: Zigeunerhäuptlinge, Nachricht des Reichssicherheitshauptamtes vom 13.10.1942
  6. Schnellbrief an die Leiter der Kriminalpolizeileitstellen vom 29.1.1943
  7. Betrifft: Zurückbleibendes Vermögen der auf Befehl des Reichsführers-SS vom 16. 12.1942 in ein Konzentrationslager einzuweisenden zigeunerischen Personen. (Brief vom 30.1.1943)
  8. Feststellung vom 26.1.1943 betr. Staatsfeindlichkeit


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