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Liebe TeilnehmerInnen

 

Herzlichen Dank für Eure Anmeldung! Wir freuen uns, Sie am 10./11.2.2007 in Stein am Rhein zu begrüssen.

Stein am Rhein liegt in der Ostschweiz, in der Nähe des Dreiländerecks Deutschland – Schweiz – Österreich. Diese drei „Kernländer jenischen Lebensraums“ stellen bislang einen Grossteil unserer Mitglieder und stehen oft auch im Zentrum unserer Aktivitäten. Grund genug also, unsere Tagung in diesem „Fadenkreuz“ unserer TagungsteilnehmerInnen anzusiedeln. Das Tagungshotel trägt den sinnigen Namen „Grenzstein“ und liegt auch unweit einer schweizerisch-deutschen Grenzstelle. Grenzen sind für Jenische auch wichtige und symbolträchtige Orte. Unsere Vorfahren unternahmen zum Teil noch weiträumige Handelsfahrten und lernten so auch die Jenischen anderer Länder kennen. Als „Schwabengänger“ verdingte oder von der Pro Juventute im 20. Jahrhundert gestohlene und in den „Guten Hirten“ in Strassburg plazierte Kinder lernten das Leben jenseits der Grenzen unfreiwillig kennen. Gleichzeitig wurden die Grenzen für den selbstgewählten Übertritt je länger je mehr verschlossen, sodass sich unsere Leute im 20. Jahrhundert aus den Augen verloren. So konnte es geschehen, dass die Generation unserer Eltern kaum mehr wusste, dass es auch Verwandtschaften „auf der andern Seite“ gibt.

Politisch wird Europa heute neu zusammengeschmiedet wie noch nie. Damit die Jenischen im vereinten Europa einen Platz einnehmen können, der das Weiterleben ihres Volkes, ihrer Traditionen, ihrer Kultur gewährleistet, brauchen sie Stimmen, die ihnen in der laut gewordenen Landschaft moderner Medien Gehör verschaffen. Gerade die Kulturschaffenden können und sollen eine solche Stimme sein. Denn durch ihr künstlerisches Wirken ermöglichen sie der Mehrheitsgesellschaft Einblicke in unsere Kultur, die neue Sichtweisen erlauben und zeigen, dass wir nicht nur ein „Haufen asozialer und kulturloser Schrotthändler“ sind. Dieses Treffen soll helfen, die jenischen Kulturschaffenden miteinander zu vernetzen und sie zu motivieren, ihre Arbeit auch öffentlich als Werk jenischen Lebens zu positionieren.

 

Wir wünschen den TeilnehmerInnen unserer Tagung viel Erfolg in ihren Aktivitäten und zwei angenehme Tage in Stein am Rhein!

 

Verein schäft qwant

Venanz Nobel, Vize-Präsident

Textfeld: Ermöglicht durch Beiträge von
  Gesellschaft
 Minderheiten in der Schweiz
 und Frau Dr. Ellen Ringier, Zürich
Textfeld: Eine Veranstaltung des Vereins
PROGRAMM

 

Samstag, 10. Februar

·       12 bis 14 Uhr: Ankunft in Stein am Rhein, Check-in im Hotel Grenzstein. Für Abholdienst am Bahnhof Stein: Tel. 079 667 41 93

·       13.30 Begrüssungs-"Apero"

·       14.00 Eröffnung der Tagung

·       Einleitungsreferat S. Borri, Präsident schäft qwant:

Was kann jenische Kulturarbeit leisten?

Was kann jenische Kulturarbeit erhoffen?

Was kann jenische Kulturarbeit tun?

·       Vorstellung der TeilnehmerInnen und ihrer künstlerischen Arbeiten

·       Einführung in den Fragenkomplex am Beispiel einzelner TeilnehmerInnen und ihrer Werke

·       16.00 Kaffeepause

·       16.30 Kulturelle Identität des jenischen Volkes:

Referate S. Borri und V. Nobel:

·       Was macht jenische Kulturarbeit identifizierbar, woran erkennt man jenische Kunst?

·       Was verbindet die jenischen KünstlerInnen, worin unterscheiden sie sich?

·       Was unterscheidet sie von der Kulturarbeit der Mehrheitsgesellschaft?

·       Gefahren und Chancen der jenischen Kulturarbeit

·       Jenische Kultur als nicht staatlich und territorial gebundene künstlerische Ausdrucksform und im vergleich mit andern nicht territorialen Kulturen (Roma, Juden,....)

·       Workshop / Diskussion: Literatur der Jenischen

·       Textbeispiele und Tagungsbeiträge jenischer SchriftstellerInnen

·       Referat Simone Schönett

·       der politische Ausdruck jenischen Kulturschaffens: direkter politischer Ausdruck in Malerei und Schriftstellerei; der politische Ausdruck des vermeintlich unpolitischen Überlebens der jenischen Kultur in ihrer mehrheitsgeprägten Umgebung

·       18.30 Ende des ersten Teils

·       19.30 Nachtessen, offeriert von GMS, Gesellschaft Minderheiten Schweiz und Frau Dr. Ellen Ringier

·       Abendgestaltung frei, Kegelbahn im Hotel steht zur Verfügung


Sonntag, 11. Februar

·       Frühstück für unsere Hotelgäste

·       9.00 Eröffnung des zweiten Tages

·       Die Verfolgung der Jenischen und deren Auswirkungen auf die Kultur

·       Referat / Textbeitrag Mariella Mehr

·       Vereinsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit der Jenischen

·       Referat Roland Sieber, VdJ e.V.: Die Öffentlichkeitsarbeit jenischer Vereine

·       Referat Walter Wegmüller: Wie können jenische Künstler sich vermarkten? Wie und was müssen Jenische machen, dass sie mit ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit kommen?

·       10.45 Kaffeepause

·       11.15 Workshop Jenische in der Musik, der bildenden Kunst und im Theater

·       Vom Puppenspieler und Moritatensänger zu den Marx-Brothers und den Boulevard-Medien

·        Schacherseppeli“ als Lagerfeuer-Romantizismus der Innerschweizer Landbevölkerung

·       12.45 Mittagessen, offeriert von GMS, Gesellschaft Minderheiten Schweiz und Frau Dr. Ellen Ringier

·       14.00 Workshops:

·       Jenische in andern kulturellen Bereichen

·       Emanzipation der jenischen Kultur im historischen Prozess

·       Wechselwirkung zwischen Kunsthandwerk, Volkskultur und Kunst

·       Überleben als Kunstform – Beuys und die Jenischen

·       Jenischer Lebenswitz und der Mut der Verzweiflung

·       16.00 Kaffeepause

·       Jenische und die offizielle Kulturpolitik

·       Jenische als Spielball der (Kultur-)politik

·       Situative Kunst: vergängliche Werke, Musikimprovisationen, u.ä. als nicht wahrgenommene Kulturbeiträge eines Volkes an die Mehrheitsgesellschaft

·       Diskussion und Verabschiedung des Tagungs-Manifests

·       18.00 Ende des zweiten Tags, Abreise der Tagungsgäste