Engelbert Wittich:

Engelbert Wittich
Engelbert Wittich ist im jenischen Dorf Lützenhardt am 18. April 1878 als sechstes Kind von Karl Wittich und Katharina Wittich geb. Pfaus geboren. Wittichs verdienten sich ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung von Bürsten und Korbwaren, die in den Sommermonaten durch Hausierhandel abgesetzt wurden. Engelbert Wittich besuchte nur einige wenige Jahre die Volksschule. Sonst war er mit den älteren Händlern unterwegs auf "Wägelesfahrt", um Bürstenwaren zu verkaufen. Auf einer dieser Reisen lernte er den Maler Paul Kämmerer kennen, der von Wittichs zeichnerischen Fähigkeiten stark beeindruckt war. So gab Karl Wittich seinen Sohn für einige Zeit zur Ausbildung seines Talentes in die Obhut des Malers. Nachdem er als Zeichner, besonders des Tierlebens, einigen (ungedruckten) Erfolg hatte, begann er mit schriftlichen Schilderungen des Tierlebens. Sogar Karl May soll auf ihn aufmerksam geworden sein und ihm geraten haben, sich mehr dem schriftstellerischen Beruf zuzuwenden. In "Karl-May-Autographika Heft 1" ist auf Seite 40 eine Postkarte an Engelbert Wittich, Schausteller, z.Z. Ispingen, B.A. Pforzheim Baden im Faksimile veröffentlicht. Mit 24 Jahren heiratete er die 17 Jahre ältere Witwe Friederike Denner, geb. Schmid in Straßburg. Diese brachte 5 Kinder aus der ersten Ehe mit in die Familie. Den Lebensunterhalt bestritten die beiden durch ein Schaugeschäft mit kleineren Aufführungen und Puppenspielen. Urkundlich festgehalten sind Aufenthalte resp. Wohnsitze in Pforzheim, Dörreswang-Mühlacker und Stuttgart-Gablenberg. Wittich pflegte Freundschaften mit dem Schriftsteller Heinrich Schäff (d.i. Hermann Zerweck), Gregor Gog, Jo Mihaly u.a. und korrespondierte auch mit Clara Zetkin. Die deutsche Schillerstiftung führte von 1931 bis 1936 eine Akte über ihn als von der Stiftung unterstützten Schriftsteller. Engelbert Wittich starb am 4. März 1937 in Bad Cannstatt.
Engelbert Wittich
Tochter Hilda Wittich, 1907 von E. Wittich gezeichnet

ein jenisches Lied
veröffentlicht von Engelbert Wittich

Schupfte Fisel, schupfte
Daß di dr Koberer net spannt!
Dr Koberer hat a Mößle
Dia hauret dof, isch quant isch quant

Werke:

  • Blicke in das Leben der Zigeuner, Huss-Verlag, Striegau 1911
  • Paramisa - Amare Raieskr Jezu Christi duk te meripen, Striegau 1911
  • Die jenische Sprache, Vogel Verlag, Leipzig 1915
  • Das echte Zigeuner Traumbuch, Uranus-Verlag, Bad Oldesloe 1926
  • Blicke in das Leben der Zigeuner, 2., bedeutend erweiterte Auflage, Advent Verlag, Hamburg 1927
  • Kasper als Diener Engelbert Wittich, SJW-Heft Nr. 12, Zürich 1932
  • uvm.
Die Bibliographie im Buch "brawo sinto!" (Joachim S. Hohmann, Fischer Verlag, Frankfurt 1984) weist 64 Arbeiten Wittichs aus, u.a. für das Schweizerisches Archiv für Volkskunde, Journal of the Gypsy Lore Society, Kosmos.
Sekundärliteratur:

  • Hohmann, Joachim S.: brawo sinto! Lebensspuren deutscher Zigeuner. Frankfurt, 1984
  • Hohmann, Joachim S. (Hg.): Engelbert Wittich - Beiträge zur Zigeunerkunde. Frankfurt, 1990
  • Mark Münzel: Heimatforschung, Innere Mission und die Jenischen: Anmerkungen zum Werk von Engelbert Wittich. In: Giessener Hefte für Tsiganologie (Giessen: Focus), 3-4/1984: 123-132.


Weblinks:


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