Auszüge aus der Autobiografie von Peter Paul Moser (Angaben zum Buch und zur Bestellung siehe unten):


"Akte No.1)

Obervaz, 8.2.1927
Tit. Pro Juventute
Zürich

1./ Beiliegend der Rapport der Kantonspolizei St.G. betr. der Mädchen M.Hermina Moser u. M.Carolina Moser in Weesen-Fly

2./ Das uneheliche in Obervaz zuständige Kind Peter Paul Moser, geb. Jan. 1926, das wir schon lange gesucht, ist unversehens auch zum Vorschein gekommen. Natürlich soll der Knabe sofort ins Waisenheim Obervaz verbracht werden.
Hochachtend grüssend
N.Jochberg


Mit diesem Brief beginnt die Verfolgung eines Mitglieds einer ethnischen Minderheit: Eingriff in die menschliche Sphäre, Diskriminierung, Freiheitsberaubung, Versorgungen in Kinderheime und zu Pflegeeltern, Verfolgungen und Einweisungen in Arbeitskolonien bis zur Versorgung in eine geschlossene Anstalt, mit dem Gedanken, eine ganze Volksgruppe auszurotten."

(Peter Paul Moser, Entrissen und entwurzelt, Thusis 2000, S.15. Das Schreiben Jochbergs, Lehrer in Obervaz, findet sich auf S.16 faksimiliert)


Auf S. 58 des zweiten Bandes der Autobiografie ist der Bericht Dr. Siegfrieds anlässlich der Volljährigkeit seines Mündels (vom 26.2.1947) faksimiliert. Der Bericht beginnt mit folgendem Satz:

"Paul Moser wurde nach seiner Geburt von der Mutter ins Waisenhaus Obervaz gebracht".
Auf S. 59 bemerkt der Betroffene dazu: "Das ist bereits die erste Lüge. Siehe Akte 1 und 2." Im Bericht des Vormunds und "Hilfswerks"-Leiters Dr.Siegfried heisst es abschliessend:
"Paul Moser (...) gehört nach meinem Dafürhalten dauernd unter Vormundschaft, weil er sonst dem Landstreichertum und dem Bettel anheimfallen würde. Die erbliche Belastung macht sich sehr nachteilig bemerkbar."

Allen Interventionen von "Hilfswerk", Polizei und anderen an der Verfolgung der Schweizer Jenischen mitwirkenden Instanzen zum Trotz gelang es Peter Paul Moser, eine Familie zu gründen. Nach dem Tod seiner ersten Frau zog er seine Kinder zusammen mit seiner zweiten Frau Heidi gross, die ebenfalls eine Jenische ist und der, wie auch ihrer Schwester, jeweils der erste Sohn vom "Hilfswerk" weggenommen wurde. Der Sohn ihrer Schwester ist bis heute unbekannten Verbleibs.

Peter Paul Mosers Schlusswort zu seiner Biografie:
"Nach einem schweren Krebsleiden starb Annemarie. Edith, unsere Jüngste, war erst sechs Jahre alt. Ich fühlte mich mit vier unmündigen Kindern sehr verlassen. Wir kannten seit einiger Zeit eine Frau jenischer Abstammung, welche verwitwet war und ebenfalls drei Kinder hatte. Ihr hatte Annemarie kurz vor ihrem Tode das Versprechen abgenommen, so gut als möglich auf unsere Kinder zu achten.
Das Versprechen einlösend, legten wir also unsere Familien zusammen. Heidi, meine jetzige Frau, ist ebenfalls eine Betroffene der Aktion "Kinder der Landstrasse". Ihr wurde aus dem Elternhaus der kaum neun Monate alte Kaspar entführt. Gleichzeitig wurde ihrer Schwester der Sohn Carlo gestohlen. Das geschah, als die beiden Mütter ausser Hause Besorgungen tätigten. Die Grossmutter vermochte den Zugriff der Pro Juventuteschergen nicht zu verwehren. Den Sohn Kaspar fanden wir 30 Jahre später; von Carlo fehlt bis heute jede Spur.
Wir legten also die beiden Familien zusammen. Von nun an sassen sieben Kinder an einem Tisch. Gemeinsam wuchsen sie an unserer Seite heran. Wir versuchten ihnen den Einstieg in das Berufsleben möglichst ohne Schwierigkeiten zu ermöglichen. Ich darf beruhigt feststellen, dass ein jedes unserer Kinder seinen Platz in der nicht immer leicht zu verstehenden menschlichen Gesellschaft gefunden hat."

(Peter Paul Moser, Die Ewigkeit beginnt im September, Thusis 2000, S.332f.)

Peter Paul Mosers Autobiografie:
Band 1: Entrissen und entwurzelt. Thusis 2000.
Band 2: Die Ewigkeit beginnt im September. Thusis 2000.
Bamd 3: Rassendiskriminierung während einer ganzen Generation. Thusis 2002
Die beiden ersten Bände umfassen insgesamt 660 Seiten, enthalten 418 Aktenstücke sowie viele Illustrationen und kosten je Fr. 30.- oder zusammen Fr.60.-
Der dritte Band kostet sfr. 43.50
Hinzu kommen die Portokosten.
Sie können die Bücher beim Sohn des im Februar 2003 verstorbenen Autors beziehen:
e-mail: remamo@spin.ch


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