Die Jenischen

Jenische, dass waren ursprünglich Nichtsesshafte. Ein fahrendes Volk mit ähnlicher Kultur und Überlebensweise wie andere Zigeunervölker. Der große Unterschied: Während alle übrigen Zigeunervölker einen indischen Ursprung haben, sind die Jenischen einheimische, europäische Nomaden.

Jenisch - das Wort kommt aus dem Sanskrit und bedeutet wissend, eingeweiht oder schlau. Das hat damit zu tun, dass in früherer Zeit, in der es außer einer Postkutsche oder einem Pferd keine Mobilität gab, die Sesshaften kaum aus ihren Orten fort kamen, während die jenischen Wanderhändler und Schausteller den ganzen Kontinent bereisten und dementsprechend der Horizont ein größerer war. Auch gab es damals keine Medien und so waren die Jenischen auch wertvoll als Nachrichtenüberbringer und Heiratsvermittler.

Zur Herkunft der Jenischen gibt es unzählige Theorien der "Experten", wie Völkerkundler und Historiker: angefangen von der Annahme, Jenische gehörten zu einem hellhäutigen indischen Zigeunerstamm, über die Behauptung, unsere Vorfahren waren versprengte Reste aus dem 30-jährigen Krieg, bis zur abenteuerlichen These, dass wir Nachfahren Überlebender von Atlantis seien. Wir Jenischen selbst, halten die Frage nach unserer Herkunft für präpotent. Es genügt, dass wir sind, dass es uns gibt und dass wir uns als Volk fühlen!

Zum Vergleich: Legionen von Wissenschaftlern, beschäftigen sich seit Generationen mit der Frage, wo die Hebräer herkommen. Darüber gibt es nur Theorien. Wo kommen die Schweizer her? Wo die Tiroler? Auch darüber gibt es nur Theorien.

Viele von uns haben sich seit Kriegsende assimiliert. Verständlich, denn die Geschichte der Jenischen ist über viele Generationen eine Geschichte meist nicht freiwilliger, sondern aufgezwungener Armut. Eine Geschichte von Kindeswegnahme. Eine Geschichte der Vertreibung.

Unser Wunsch ist es nun, dass wir Jenischen in Österreich als Volksgruppe anerkannt werden. Deshalb, und um allen Jenischen eine Anlaufstelle zu bieten, haben wir den

"Jenischen Kulturverband"

gegründet. Unterstützung erhielten wir dabei von der "Radgenossenschaft der Landstraße" aus der Schweiz, der bisher einzigen Organisation der Jenischen in ganz Europa. Die Wichtigkeit einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist uns bewusst.

Wir wollen unsere verdrängte Kultur zu neuem Leben erwecken und vom Objekt der Sündenbockbestimmenden, zum Handelnden Subjekt unserer eigenen Geschichte werden.

Romed Mungenast (1953-2006)


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