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 Ferienlektüre: Innerschweiz fürs Handgepäck
Dieser "literarische Reiseführer", herausgegeben von Franziska Schläpfer führt in Texten von 20 Autoren rund um den Vierwaldstättersee. Der Text von Venanz Nobel über die Feckerchilbi in Gersau ist als "jenisches Highlight" eingebettet in ein prominentes Umfeld, stammen die andern Beiträge doch von Autoren wie Ludwig Marcuse, Franz Hohler, Urs Widmer, Max Frisch, J.W. von Goethe, Friedrich Engels, Mark Twain u.v.a.
Leseprobe aus dem Beitrag "Feckerchilbi": 1982 war mein Wohnwagen, den ich hinter mir her zog, so neu wie das Organisationskomitee, das publikumswirksam 650 Jahre freie Republik Gersau feiern wollte. Mein erster Wohnwagen, mein erster Sommer im Wohnwagen, meine erste Feckerchilbi. ....Stolz lenkte ich mein Gespann durch die vielen Kurven der Rigi entlang, am Steinbruch und dem alten Hotel, das auf einem Felsvorsprung über dem Vierwaldstättersee thronte, vorbei...Über 160 Jahre ist es her, dass die Gersauer ihre politische Eigenständigkeit verloren, den Eigensinn haben sie so gut bewahrt wie die Festfreude. So kam es, dass sie mit den Jenischen wetteifern, wer den nun grösser feiern könne...Der Dorfhistoriker blüht auf, als er merkt, dass sich Jenische für sein Wissen interessieren. Mit glühenden Augen erzählt er, was so alles im "Waldstätter Boten" vom 22. Brachmonat 1830 über unsere Vorfahren gestanden habe: "Nach beendigtem Umzug kehrten sie wieder in ihre Schlupfwinkel zurück, und in den Scheunen wurde munter getanzt. Die ältern Männer zogen sich in einen Gaden zurück, um die Angelegenheiten der wandernden Republik zu berathschlagen." Regierungsrat Camenzind aus Gersau schrieb in seiner 1864 veröffentlichten rückblickenden Darstellung...: "Ein von ihnen erwählter Altvater erhält die Ordnung aufrecht und höchst selten gibt es Streitigkeiten." Damit es auch im 21. Jahrhundert so bleibe, wird schnell ein neuer Altvater bestimmt. Clemente Graff, ein "Kind der Landstrasse", der die Vernichtung der jenischen Kultur am eigenen Leib erfahren hatte, sich aber nie einschüchtern liess und so einer der ersten Kämpfer für die Anerkennung des jenischen Volkes wurde, hatte den Ehrentitel redlich verdient und leitete die Feckerchilben bis an sein Lebensende...
In Ihrer Buchhandlung (ISBN 978-3-293-20513-0) oder bei Amazon
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echt jenisch?
Vor ein paar Jahren erzählte mir ein alter Jenischer diese Geschichte:
Ein junges jenisches Paar wollte "jenisch krönen", zusammen auf die Reis. Er besass ein Auto, sie einen Wohnwagen. Das ergänzte sich also wunderbar. Schnell waren sich die beiden auch einig, wessen Geschirr in den Wohnwagen geräumt wird, welche Bilder aufgehängt werden und los ging die Fahrt. Im Kanton Glarus wurde es eng. Nach der Brücke, bei der Einfahrt zum Platz, steckten links und rechts der Strasse Holzpflöcke im Boden. Der halt noch etwas unerfahrene Chauffeur schaffte es nicht ganz, das Gespann ohne Schrammen auf den Platz zu lenken.
Natürlich war so der erste grosse Ehekrach vorprogrammiert und es kam, wie es kommen musste. Der Wohnwagen wurde unter gegenseitigen Beschimpfungen auf den Platz gestellt, die Stützen heruntergekurbelt. «Wir sind fertig miteinander!» schrie die Geliebte. «Pack Deine Sachen und verschwinde!» Zum Beweis, dass sie es ernst meine, öffnete sie den erstbesten Schrank und begann, Teller, Tassen, Schüsseln auf den Platz zu werfen. Doch auch er schien schon einige Erfahrung im wirkungsvollen Streiten zu haben. Kurz entschlossen setzte er sich wieder in sein Auto und funktionierte es in eine Dampfwalze um. Ganz geduldig fuhr er 10 Meter vorwärts, 10 Meter zurück. Immer wieder, solange bis das ganze Geschirr sorgfältig in Kies verwandelt war.
Eine Stunde später wurde in der nächsten Beiz Versöhnung gefeiert. Den Hausierverdienst des nächsten Tages mussten die beiden zum Haushaltwaren-Laden tragen, denn ohne Geschirr lässt es sich schlecht kochen. Und was wäre das Leben ohne einen qwanten Butt?
Weshalb ich Euch diese Geschichte ausgerechnet heute erzähle? Ganz einfach: Wer sagt denn, dass Frauen nicht bootschnen können? Zielsicher landete jeder Teller auf dem Platz, das Auto bekam dabei keinen Kratzer ab!
Kramt in Euren Erinnerungen, fragt Eure Grosseltern. Ich könnte schwören, dass noch die eine oder andere Geschichte zutage kommt, die beweist, dass unsere Frauen vielleicht im Bootschnen geübter sind, als uns Männern lieb ist!
echt jenisch!
bleibt nur die Frage, wer denn nun besser bootscht, Männer oder Frauen...

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