Zur Geschichte dieses Wagens:
Die Firma Buschbaum in Deutschland baute den Wagen in den 20er-Jahren. Für wen? Wir wissen es nicht. Solche Wagen wurden für "fahrende Leute" gebaut: Zirkusleute, Schausteller, Jenische, Sinti, Roma... Ende der 1970er-Jahre hat ihn jedenfalls ein Basler in Norddeutschland bei einer Schaustellerfamilie gekauft und an eine Basler Familie weiter verkauft. Diese Familie hat u.a. neue Fenster eingesetzt und den Wagen ein paar Jahre bewohnt.
Ende der 1980er-Jahre waren wir auf der Suche nach einem Holzwagen. Frau Ph. erklärte uns, dass ihre Familie die andern Wagen schon verkauft hat. Nur dieser hier sei noch da, er gehöre ihrem 10-jährigen Sohn. Mit dem müssen wir verhandeln! Sohn J. sass uns gegenüber. Der kleine "Mann" beschloss: "Ich finde es besser, wenn der Wagen wieder bewohnt wird, hier draussen vergammelt er nur!" So wechselte der Wagen mit Handschlag und einigen Scheinen wieder einmal den Besitzer.
1989 kam der Wagen in unsern Besitz. Emsig machten wir uns ans Werk. Aussen wurde das ganze Holzwerk geschliffen, gebürstet, mit Bootslack neu lackiert. Neue Fenster wurden bei einer Fensterfabrik bestellt. Innen haben wir sogar das ganze Holzwerk und die Isolationen entfernt, eine gründliche Behandlung mit Holzschutzmitteln vorgenommen, elektrische Leitungen verlegt, die Isolation und das Täfer wieder montiert. Wir wollten wirklich nur das beste für unsern Wagen! Wir haben den Wagen auf Stützen gestellt und das vordere Fahrgestell (Drehkranz, Deichsel, Auflaufbremse) komplett demontiert. Diese Teile gaben wir zum Sandstrahlen und revidieren. Am 27.2.1990 waren sie noch nicht wieder montiert. An diesem Tag fegte der Sturm Vivian über unser Land. Die Zeitungsbilder vom umgekippten Eisenbahnzug gingen um die Welt. Die Bilder vom umgekippten Wohnwagen finden Sie hier.... und hier noch ein Link zur Wetterkarte des Sturms:
http://www.radar.ethz.ch/archiv_900227.html.Jetzt standen wir vor der Frage: wie weiter? Der wieder aufgestellte Wagen erwies sich als äusserst robust. Am Wagen selbst hatten wir praktisch keine Schäden zu reparieren. Und nach der Montage des Drehkranzes stand er auch wieder solide da! Aber die Veranda, die nach dem Kippen des Wagens kurz steil in die Luft ragte und sich dann mit Aechzen zu Boden knickte? Restaurieren? Neu bauen? Wir haben uns für das Zweite entschieden. Ein Schlosser rekonstruierte den Metallrahmen nach den Original-Massen und unter Verwendung der ganz gebliebenen Teile. Ein befreundeter Schreiner half uns, das richtige Holz zu finden. Wir kauften einen ganzen Baum, eine Lärche, in dicke Bretter aufgeschnitten und getrocknet. Aus diesem Rohmaterial haben wir (mit fachkundiger Hilfe) das Täfer, die Rahmen, Fenster, Türen, kurz: die ganze Veranda nach den Originalvorlagen von Grund auf neu gebaut.
Lange haben wir auch gezeichnet, um den Platz im Wagen möglichst optimal zu nutzen. Wenn wir jetzt die Türe der Veranda öffnen, stehen wir in der Küche. Ein selbst gebautes Kombimöbel mit Kühlschrank, Spüle und Ablagefächern steht auf Rollen, damit es beim Platzwechsel bequem im Wageninnern verstaut werden kann. Der Kochherd/Backofen ist ein französisches Produkt, gekauft "ab Stange". Die Pfannen haben wir mit Hacken an die Dachstreben gehängt. Das ist nicht nur praktisch, es sieht auch gut aus! Ein Klapptisch und -stühle vervollständigen die Küche. Durch die eigentliche Wagentür kommt man als nächstes ins Wohnzimmer. Links hat es eine Eck-Polstergruppe mit Klapptisch, die unsern Schreiner manche Tüftelstunde gekostet hat. Für die optimalen Sitzmasse (Höhe/Tiefe) ist er extra ins Designmuseum gegangen, um Mass zu nehmen. Wenn man den Tisch mit der massiven Kirschbaum-Tischplatte und dem System-Fuss aus dem Campingbedarf zusammenklappt und die Rückenlehnen darauf verteilt, hat man das Gästebett! Rechts hat es ein Eckgestell mit Vollauszug-Schublade unten und Türe oben. Hier hatten wir das Geschirr verstaut. Unterhalb des Fensters steht das "Sideboard" mit 2 Türen und einem Schubladenstock in der Mitte. Alle Griffe und Schlüssellöcher sind mit weiss emaillierten Beschlägen versehen. Daran schliesst ein kleines Büchergestell und eine Pultfläche an. Zwischen Polstergruppe und der nächsten Trennwand steht der Ofen. Brennholz kann man von der Ofenseite her unter der Polstergruppe lagern! Durch die Flügeltür mit der geätzten Scheibe kommt man in den hintersten Teil, das Schlafzimmer. Hier führt eine Schiebetüre links in den kleinen Toilettenraum, rechts steht der Kleiderschrank. Das Dachfenster kann zur Belüftung im Sommer gekippt werden. Wir haben das Bett (140x200) direkt ans romantische Rundbogenfenster gestellt, das mit den kleinen farbigen "Butzen" Licht hereinlässt, aber die nötige Diskretion wahrt...
Wir haben monatelang in Untermiete eine Schreinerei benützt, um unsern Ausbau nach Mass und Vorliebe selbst machen zu können. Aber ohne die Profihilfe wären wir wahrscheinlich heute noch nicht fertig mit dem Ausbau! Das Kirschbaumholz auf Tisch und Sideboard passt sehr schön zu den Tannenmöbeln, in denen Buchenleisten den Schubladen die richtige Funktion geben... gewusst wie!
1999 schliesst sich der Kreis (wieder). Wir stellen den Wagen in einer Halle ein. Anfang 2002 sagt unsere mittlerweile 6-jährige Tochter: "Ich finde es besser, wenn der Wagen wieder bewohnt wird, leer stehend in der Halle vergammelt er nur!"